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USA 2000

USA 2000

USA 2000, unsere zweite Reise nach Nordamerika innerhalb eines Jahres. Als wir sie in Planung hatten war es "lediglich eine Urlaubsreise". Dann fiel sehr schnell die Entscheidung zu heiraten, und welcher Ort drängte sich geradezu dafür auf? Natürlich Las Vegas! Also firmierte der Urlaub jetzt neu unter dem Titel "Hochzeitsreise" und wir bauten das ganze Projekt weiter aus. Herausgekommen ist ein Traumurlaub, der wahrscheinlich in unserem Leben nicht mehr zu toppen sein wird. Aber wenn nicht zu jenem Anlaß, wann dann?

Und um die damals vor und nach der Hochzeit erstaunlicherweise sehr häufig gestellte Frage - "Ja gilt das denn, in Las Vegas zu heiraten?" - auch hier umfassend und abschliessend zu beantworten:

JAAAAAAAA, ohne wenn und aber!!! Sie besitzt die gleiche rechtliche Verbindlichkeit wie eine Eheschliessung in Dortmund oder in Pusemuckel oder in Pupenhagen. Alles klar???

Dienstag, 16.05.2000

Beginnt nun die Hochzeitsreise oder der schwerverdiente Urlaub, oder beides? Egal, es kann nun endlich (!) losgehen und das allein ist entscheidend! Bei schönem Frühlingswetter und einer gehörigen Portion Vorfreude im Bauch ab zum Dortmund International. Das fängt ja schon gut an, denn die Maschine hat eine ½ Std. Verspätung, aber keine Panik, es gibt einen ausreichenden Zeitpuffer. Auch der KLM-Jumbo “Willem von Oranje“ verzögert seinen Start, weil ein Container zuviel an Bord ist, und der will erst einmal gefunden sein! Anschließend ein schöner Flug über den Teich. Das Ausfüllen der Immigration- und Customdeclaration gelingt auch bereits besser als noch vor einem Jahr anlässlich des ersten USA-Besuchs. Besonders beeindruckend der Blick von oben auf Neufundland.

Beim Zwischenhalt in Detroit ein absolutes Pisswetter, zudem keine Möglichkeit auf dem Airport offen oder heimlich ein Zigarette zu rauchen. Damit alles rund aussieht, teilt man uns und den übrigen Reisenden mit, dass sowohl Flugkapitän van Meer sich noch im Landeanflug befindet als auch der Abflug nach Las Vegas sich geringfügig (?) verzögert, weil erstgenannter auch Pilot des Las Vegas-Fluges ist. Dem sagenumwobenen Kapitän gelingt dann dennoch ein schneller Wechsel seines Arbeitsgerätes sprich seiner North-Western-Flugmaschine. Mit Skepsis verfolgen wir den weiteren, für uns zunächst unbekannten Weg unseres Gepäcks, denn dieses wird wider Erwarten nach der Landung doch wieder an uns ausgegeben (weil Detroit für uns Krauts Immigration-Location ist), und dann auf Anweisung an einen Airport-Mitarbeiter weitergereicht, der dort eigentlich wie bestellt und nicht abgeholt und überhaupt nicht offiziell aussieht. Anette macht sich bereits Gedanken darüber, in welchem Outfit wir denn wohl die Trauung erleben, wenn das Gepäck nicht dort ankommt, wo wir beabsichtigen hinzufliegen, nämlich in Las Vegas. In der Maschine wird der Service augenscheinlich von den “Drei Damen vom Grill“ vorgenommen, denn in der Tat sind drei verschiedene Generationen (zwischen Mitte 20 und Mitte 60) damit beschäftigt, die geschätzten Passagiere zufrieden zu stellen. Etwa 20 Flugminuten vor Las Vegas ist es dann dunkel, und die Frage stellt sich, wird man denn einen guten Blick auf das Lichtermeer Las Vegas während des Landeanfluges haben. Riesenentäuschung! Der gleißend hell erleuchtete Strip befindet sich genau auf der anderen Fensterseite des Jets, da wo die ganzen Ignoranten Platz genommen haben und jetzt pennen. Weiß dieser Kapitän van Meer eigentlich, was er da tut? Ja, er weiß es, denn wie auf Zuruf legt er die Maschine in eine elegante Rechtskurve und eröffnet somit den unvergesslichen Blick auf ein unvergleichliches Lichtermeer inmitten der großen Wüstenlandschaft.
Wahnsinn(!!!), ein Einstieg nach Mass. Raus aus dem Flieger und schnell die erste Zigarette geraucht - seit wieviel Stunden eigentlich?

Draußen herrscht Dunkelheit, was nicht ungewöhnlich für ungefähr 22:00 Uhr ist - aber es ist quasi arschkalt. Sind wir an der richtigen Stelle gelandet? Das soll Las Vegas in Nevada, USA sein?

Ein schneller Transfer zum MGM-Grand – z. Zt. das mit ca. 6.000 Betten weltgrößte Hotel – und beeindruckende Größe und Licht ohne Ende sorgen trotz Kälte für ein gewisses Las Vegas-Feeling. Also einchecken, Gepäck wegbringen und noch mal raus aus dem Haus und auf den Strip für ein, zwei Absacker, aber nicht zu extensiv, denn morgen ist unser großer Tag, und da es noch einiges zu tun gibt, heißt es, ausruhen, der Weg hierhin war schließlich lang genug.

Mittwoch, 17.05.2000

Mitten in der Nacht, so gegen 08:00 Uhr, rein ins Taxi (draußen ein Superwetter!) und ab zum Courthouse in Downtown Las Vegas und eine Wedding-License beantragt. Das funktioniert leichter und schneller als gedacht, nicht mal die Pässe werden benötigt. So, jetzt haben wir die Lizenz, also zu Fuß zum Stratosphere Tower Hotel, dort in aller Ruhe das glänzende Frühstücksbuffet genießen und weiter zu Fuß zurück ins MGM. So ganz viel Zeit zum Rumtrödeln verbleibt nicht, also schick machen, nochmals checken, ob alles für die Zeremonie erforderliche am Mann bzw. an der Frau ist, und schon mal ein Taxi bestellen. Da steht dann übrigens die tollste Bride im Zimmer, die man jemals in Las Vegas gesehen hat und haben wird, und alle im Casino befindlichen Menschen drehen sich nach ihr um auf dem Weg vom Zimmer zum Taxi. Der Taxifahrer kann es sich nicht verkneifen, seine intimen Kenntnisse über die “Little Chapel Of The Flowers“ preiszugeben, und man erfährt dabei das eine oder andere über seine Familie, was nun wirklich keinen in diesen Minuten interessiert.

An der Chapel angekommen, die inzwischen bekannte Ankündigung, dass sich die Verdrahtungszeremonie verspäten wird. Dieses Mal warten wir nicht auf einen Flugkapitän, sondern auf eine Hälfte der Teilnehmer der vor uns stattfindenden Hochzeit. Zeit für die erforderlichen Formalitäten und hin und wieder einen kritischen Blick in den Spiegel. Schließlich beginnt das lang herbeigesehnte Ereignis mit einem netten Gespräch unter sechs Augen mit dem Friedensrichter George, der eigentlich Gary heißt. In der Chapel zuerst ein Gruß via Webcam in Richtung Heimat (ist tatsächlich angekommen), dann legt George los. Dieser nette George macht das ganze so schön und einfühlsam, dass man das Gefühl bekommt, er würde uns bereits ein halbes Leben kennen. Die anschließende Photo-Session mit Adolfo ist nicht minder spaßig und schön. Alles, die beteiligten Personen, das Ambiente und vor allem die tollste Frau der Welt, sind so nachhaltig beeindruckend, dass das allein die Garantie dafür ist, dass man sich ein Leben lang daran erinnern wird. Und weil die Euphorie so groß und das Wetter so schön ist, wieder per pedes zurück zum Hotel über den Strip. Doch der Weg ist weit, und der Durst dominant, also Pause im Sahara, und schon bemerkt die frisch Vermählte eine erste Blase. Mist! Auf dem Rasen vor dem Luxor entsteht nichts desto trotz ein richtig schönes Hochzeitsphoto. Kein Wunder bei der traumhaften Kulisse!

Auf dem Zimmer ausruhen, Liebe, ausruhen.

Zwischendurch die Hiobsbotschaft, dass die von Dortmund aus akribisch und langfristig geplante Ballonfahrt über der Sierra Nevada ausfallen muss, und dummerweise existiert kein Ersatzprogramm. Die Süße zaubert unterdessen für Ihren Angetrauten eine supertolle Uhr aus dem Koffer. Die Überraschungen nehmen kein Ende.

Abends Buffet im Mirage mit dem obligaten Schlangestehen, aber leider keine Tickets für die Siegfried&Roy-Show zu ergattern. Deshalb Seeschlacht vor dem Treasure-Island und ein paar Mal den Ausbruch des Vesuv vor dem Mirage. Die Fußbeschwerden der Obersüßen im Übrigen werden immer gravierender, so dass der Rückzug ins heimische MGM beschlossen wird. Der wahrscheinlich tollste Tag der Reise geht zu Ende, obwohl noch jede Menge supertolle Tage folgen werden.

Donnerstag, 18.05.2000

Wieder heißt es, relativ früh aufstehen, um die restlichen Formalitäten zu erledigen. Nach einem amerikanischen Frühstück im MGM, auschecken, und ab zum Airport, wo das Auto in Empfang zu nehmen ist. Kleiner Irrtum am Rande: Der Shuttle vom MGM zum Airport ist kostenfrei, was Manni erst nach dem Hinweis seiner Fraui bemerkt, aber es ist schon zu spät, und die Fahrerin freut sich über ein enormes Trinkgeld von zwölf Dollar. Dann, Ratzfatz, zum Deutschen Konsulat in Person von Sigrid Sommer (“She Is A Very Nice Person“). Alles fluppt hervorragend, das Geld fließt nur so durch die Hände für diese und jene Formalität, aber alle sind glücklich und zufrieden. Jetzt erst mal Tschüss Las Vegas und über den Highway Richtung St. George/Utah.

Die Fahrt ist kurzweilig, und aus der tristen Wüstenlandschaft wird nach und nach ein farbenintensives Spektakel. An der Staatsgrenze zu Utah ist dann Uhrenstellen angesagt, nämlich eine Stunde nach vorn. Gegen 14.30 Uhr ist St. George und dort das Ramada Inn erreicht, Zimmer No. 130 schnell bezogen, und schon geht es wieder auf den Highway zum Zion Nationalpark. Die umliegende Landschaft verändert sich in immer kürzeren Abständen von einem optischen Highlight in das nächste, und immer, wenn man meint, jetzt ist es nicht mehr zu toppen, wird man eines besseren belehrt. Die Süße ist ganz aufgeregt, und trinkt in hektischen kleinen Schlucken aus ihrer Wasserflasche. Am Parkeingang verkauft uns eine schwergewichtige Park-Rangerin den USA-weit-gültigen Park-Pass. Der Zion selbst ist eine Show, und ein Start par exellence in die Park-Besichtigungs-Tour.

Abends geht’s auf Salat und Hamburger ins Village-Inn. Für Utah nicht ungewöhnlich gibt es dort keine Alkoholika, dafür aber eine Bedienung hinter der jede Barbie-Puppe verblassen würde, denn die blonde Mähne und die krallenartigen künstlichen Fingernägel suchen ihresgleichen. Aber freundlich ist sie, immer um die Gäste (außer uns nur noch ein Mormonenpaar) bemüht, und nach Art des loriotschen Kellners nach jedem Bissen mit der Frage “Everything okay?“ am Tisch präsent, zusätzlich immer darauf bedacht, den minimalen Verbrauch an Eiswasser durch Nachfüllen zu kompensieren. Ansonsten ist St. George die Ansammlung von Häusern am Highway, ein echter Ortskern ist nicht zu erkennen.

Freitag, 19.05.2000

Kann eine simple Frage, sinngemäß etwa ... “Please, Where Is The Breakfast-Room?“ schon am frühen Morgen ungeahnten Spaß bereiten? Keine Sorge, sie kann! Denn die Antwort aus dem Mund der so befragten Putzkraft – wahrscheinlich mexikanischer Herkunft – hört sich an wie “Homiies“ oder “Schomies“ oder so ähnlich, halt so, wie sich Sprache beim gleichzeitigen Verzehr einer Wolldecke anhört, und wird auch auf mehrfache Nachfrage nicht deutlicher. Schließlich entdeckt Anette draußen neben der Tankstelle zufällig die Leuchtreklame von “Shoneys“, einer amerikanischen Fast-Food-Kette, die bevorzugt an den Highways zu finden ist. Die Frage ist beantwortet und die Putzkraft lächelt zufrieden. Das Frühstück selber besticht, wie so häufig in den Staaten, durch seine einfache, aber doch gediegene Zusammenstellung. Wesentlicher Bestandteil ist dabei wiederum Eiswasser, was in nahezu unbegrenzten Mengen zur Verfügung steht. Auch Kaffee gehört wie selbstverständlich dazu, wenn auch nicht in der dem Eiswasser entsprechenden Menge.

Die Fahrt zum Bryce Canyon und der dortige Aufenthalt sind eine weitere Steigerung des bisher erlebten, und schon nach diesen wenigen Tagen USA drängt sich die Frage auf, wie verarbeitet man die Vielzahl der Eindrücke, die unablässig auf uns hernieder prasseln. Ein ungeheure Farbenvielfalt und ständig neue Gesteinsformationen betören die Sinne, und darüber hinaus wird witterungstechnisch nahezu alles geboten. Die Tatsache, dass auf der Passhöhe auf dem Weg zum Canyon Schnee liegt, motiviert die Flitterwöchler auf dem Rückweg zu einer Schneeballschlacht.

Das Abendessen im Chuckarama ist in jeder Hinsicht bezogen auf St. George-Verhältnisse eine klare Steigerung, weil gemütlicher, vom Essen besser, viele Einheimische vor Ort und keine ständige Fragerei, ob “Everything okay?“ sei.

Samstag, 20.05.2000

Der Samstag beginnt mit dem inzwischen schon traditionellen Frühstück bei Shoneys, die Qualität ist unvermindert konstant. Dann Aufbruch zur Etappe St. George – Death Valley bei absolutem Topwetter, also sind wir wieder auf der Sunny Side Of The Street. Bei Verlassen des Staates Utah heißt es, Uhren wieder eine Stunde zurückstellen.

Jede Form der verkehrstechnischen Annäherung an Las Vegas hat ihren Reiz, ob von oben per Flugzeug, oder über den Highway per Auto, zu irgendeinem Zeitpunkt wächst aus dem Einerlei der Wüste ein gewaltiges Gebilde heran, wobei der Turm des Stratosphere Hotels alles von Anfang an überragt. Beim Pit-Stop in der City ein kurzes Telefonat mit Dortmund (Dieter). Man hat die Trauzeremonie wie beabsichtigt live im Internet verfolgt, und auf das Wohl des Paares eine Magnumflasche gelehrt. Eine weitere wichtige Information am Rande, Bayern ist Meister, weil Leverkusen zu dumm zum Siegen ist, ha-ha-ha, da lacht ja sogar Nevada! Auf dem weiteren Weg durch die Stadt einfach noch mal an der Chapel vorbei und noch ein Photo schießen, dann endgültig – bis auf weiteres - Ciao Las Vegas und mit frischen Kräften auf ins Tal des Todes.

Hinter der Stadtgrenze wird es mit jeder gefahrenen Meile einsamer, karger und plötzlich ist man schon mittendrin, umgeben von Steinen, Sand und ein paar verhärmt aussehenden Pflanzen. Die Sonne scheint gnadenlos vom stahlblauen Himmel, wohl dem, der ein wenig Erleichterung durch eine funktionierende Klimaanlage erfährt. Hinter jeder Kurve erwartet man das Skelett eines Rindes oder eines Pferdes, aber diese Zeiten sind dann doch vorbei. Der Verlauf der Strasse ist an Eintönigkeit nicht zu überbieten - zwei Meilen geradeaus, 90Grad-Rechtskurve, eine halbe Meile geradeaus, 90Grad-Linkskurve, zwei Meilen geradeaus, usw., usw. – aber genau so wenig zu überbieten ist wiederum die farbige Vielfalt von bloßem Sand und Felsen. Hier wird ja alles geboten! Abseits der “Hauptstraße“ durch das Tal existiert eine Vielzahl kleinerer Straßen und Wege, die durch oder zu äußerst faszinierende(n) Formationen führen, beispielsweise “Artist´s Palette“. Eines der wesentlichen Highlights ist natürlich Badwater, der tiefste Punkt der USA mit 88m unter NN und einer Temperatur von beinahe 50 Grad Celsius. Hier auf dem Salzsee sieht man längerer Zeit wieder mal einige menschliche Lebewesen, aller Wahrscheinlichkeit nach auch Touristen.

Am Nachmittag dann Ankunft auf der Furnace-Creek-Ranch, eine von lediglich zwei Hotelanlagen in dieser gottverlassenen Einsamkeit. Die ganze Anlage besitzt einen herben Charme und hat einfach etwas. Also Zimmer beziehen – No. 728 - und vielleicht, auch im Hinblick auf die herrschenden Temperaturen, mal erst ein Päuschen machen und Kaffe und Kuchen einnehmen. Da gibt es ja etwas interessant klingendes auf der Speisenkarte: Chocolate Browney, scheint so´n Stück Schokoladenkuchen zu sein. Also zwei Mal Kaffee und zwei Mal den Browney bitte! Umgehend wird die Bestellung serviert, aber was ist das, das vermeintliche Stückchen Kuchen entpuppt sich als Riesenkonglomerat aller in der Küche verfügbarer Süßigkeiten, bestehend aus Schokoeis, Schokokuchen, Unmengen an Whipping-Creme und bunten teuflisch süßen Streuseln. Jetzt erhält das freundliche Lächeln der Bedienung eine ganz andere Qualität. Es war blanke Häme!!! Beide Portionen zusammen würden sicherlich mehrere Großfamilien auf Tage hinaus sättigen. Von uns wird gerade mal ein Bruchteil vertilgt. Jetzt aber nix wie raus, und mal schnell rübergefahren zum berühmten “Zabriskie´s Point“, der ungefähr fünf Autominuten entfernt ist. In diesem Augenblick erreicht eine ganze Gruppe von schon leicht angegrauten Harley-Fahrern die Ranch, und man fühlt sich sofort an Easy-Rider erinnert.

Zabriskie´s Point ist eine Schau, eine Gedenktafel erzählt eine Menge über die Borax-Produktion im Tal, dessen Pioneer eben der besagte Namensgeber Zabriskie war. Fast minütlich erscheinen die Felsformationen aufgrund wechselnder Lichtverhältnisse in anderen Farbzusammenstellungen, die vorherrschende, fast unwirkliche Stille erzeugt eine eigenartige, magische Atmosphäre, der sich kein Anwesender entziehen kann. Zufällig gibt es Kontakt zu drei Touristen, die sich als deutsche, in Kanada tätige Siemens-MA outen und derzeit Urlaub in den USA machen.

Der Forty-Niner-Coffe-Shop auf der Ranch hat aber trotz Chocolate Browney durchaus seine guten kulinarischen Seiten. Für uns völlig unerwartet steht Leber mit Zwiebeln und Püree auf der Speisenkarte mitten im Tal des Todes, und schmecken tut es diesmal phantastisch. Gut genährt geht es dann nochmals bei Dunkelheit aber unter Zuhilfenahme des Vollmondes zu Zabriskie´s Point, und auch jetzt sieht alles beeindruckend aus.

Sonntag, 21.05.2000

Um 05.30 Uhr heißt es aufstehen. Die mitgeführte Lektüre empfiehlt einen Besuch bei Sonnenaufgang an Dante´s View, etwa eine Viertelautostunde von der Ranch entfernt. Nicht schlecht, der Blick über einen großen Teil des Tales von hoch oben, aber kein Vergleich zu dem, was bei Zabriskie´s zu sehen ist. Also, zum dritten Mal dorthin, und wieder erhält man eine besondere optische Belohnung in Form eines beeindruckenden Farbspektakels.

Nach dem Frühstück – Sunny-Side-Ups (besser bekannt als Spiegeleier) – zügig auschecken, denn es liegt eine ziemliche Strecke zum nächsten Ziel, Yosemite-Park, vor den beiden Süßen. Der freundliche Empfangschef der Ranch empfiehlt den Weg durch die Sierra Nevada und rät davon ab, den kürzeren Weg über den Tioga-Pass zu wählen, weil dort mit hoher Wahrscheinlichkeit z. Zt. kein Überqueren ohne Schneeketten möglich sei. Dieser Ratschlag entwickelt sich zum Boomerang, denn es folgt eine wahre Odyssee. Raus aus dem Tal, vorbei an den weißen Dünen ist kein Problem, aber dann wird es immer unwirklicher, die Hitze immer unerträglicher, die Strassen incl. Beschilderung immer schlechter. Die Ortschaften, die durchfahren werden, wirken trostlos und verlassen, und zum Teil völlig verkommen. Zu guter Letzt wird dann endlich der entscheidende Highway zum Park gefunden, und genervt und erschöpft sind die beiden dann gegen 16.00 Uhr im Yosemite. Nun geht es im gestreckten Schweinsgalopp mit dem Auto und teilweise zu Fuß durch den Park, für das Schöne bleibt einfach zu wenig Zeit. All das, was sehenswert ist, und das ist wahrlich nicht wenig, wird nur angekratzt.

An dieser Stelle der Reise geschieht die einzige Fehlplanung während der dreieinhalb Wochen Urlaub, denn anstatt in einem der Park-Motels zu übernachten, und am nächsten Morgen direkt nach San Francisco zu fahren, machen sich die beiden völlig ermattet und gestresst auf den Weg nach Modesto zur nächsten planmäßigen Übernachtung. Mitten in einem an einen Tatort aus einer amerikanischen Krimiserie erinnernden Viertel von Modesto befindet sich das Ramada-Inn und das gebuchte Zimmer 145 besticht zunächst nur durch einen Riesentausendfüssler, der das Badezimmer erkundet, ansonsten durch wenig Komfort und Schönheit. Ein fettiger Hamburger mit ebenso fettigen Pommes Frittes, zubereitet von einer nicht minder fetten Farbigen vom Burgershop auf der anderen Straßenseite, stehen auf dem Speisenplan dieses Abends. Dabei hätte der Tag doch so schön sein können.

Montag, 22.05.2000

Trotz allem gut geschlafen in der Zwiebelbude, und mit der Morgensonne sind die beiden binnen kürzester Zeit wieder bei allerbester Laune. Außerdem geht es ja heute schon mal durch diiiiiie Stadt mit deeeeer Brücke. Ein kleines Frühstück aus Kaffee und Muffins als Minimalgrundlage reicht aus, soweit ist es ja nicht bis San Francisco!

Nach zwei lockeren Stunden auf dem Highway geht es über die gewaltige, zweigeschossige und fast 12 Km lange Oakland-Bay-Bridge hinein in die faszinierendste Stadt der Welt. Das Flair dieses Ortes ist irgendwie zu riechen oder zu fühlen, aber keiner weiß, warum das denn so ist. In der Ferne, hinter Alcatraz, thront majestätisch über der Bucht die Golden Gate Bridge. Durch die Strassen von San Francisco geht es ohne die sonst übliche amerikanische Großstadthektik erst einmal zur Lombard-Street, die mit Sicherheit einzigartig auf der Welt ist. Und Manni genießt dieses unvergleichliche Feeeeeeling dadurch in vollen Zügen, dass er zweimal diese Strasse herabfährt, und sich dabei von seiner Zaubermaus photographieren lässt. An Marina mit seinen romantischen Häusern und dem bescheidenen Yachthafen vorbei fährt es sich wie von selbst auf die Brücke. Die gerade herrschende Witterung erlaubt von dort einen phantastischen Blick auf Downtown San Francisco.

Doch schon wartet der nächste Höhepunkt. Nach wenigen Meilen auf dem Highway No. 1 sind die Muir Woods erreicht. Nach den von Menschenhand geschaffenen Tophits der Grosstadt San Francisco gibt nun Mutter Natur wieder den Ton an. Was eindrucksvoll gelingt, wenn man die gigantischen und steinalten Bäume bestaunt, die einem dort begegnen. Zurück auf dem Highway No. 1 in nördlicher Richtung bei strahlendem Sonnenschein prägt nun die Pazifikküste mit dem schier endlosen Wasserteppich und den reizvollen Stränden für die nächsten 100 Meilen das Bild. Wie eine Riesenschlange mit unzähligen Windungen schmiegt sich der Highway an die Steilküste an, und bildet so eine traumhafte Kulisse.

Am Nachmittag ist Bodega Bay erreicht. Eine kleine verschlafene und unbedeutende Stadt mit winzigem Hafen, die kein Mensch kennen würde, wäre nicht vor 40 Jahren ein Teil dieses Örtchens als bilderbuchartige Kulisse für Hitchcocks Vögel genutzt worden. Der zentrale Treffpunkt am Hafen ist Tide´s Wharf mit Geschäften, Restaurants und einem Coffee-Shop. Letzterer ist für die beiden erste Anlaufstelle in Bodega Bay, und während sie auf den Kaffee warten, können sie ja auch ein bisschen Knutschen. Diese zwischenmenschliche Aktivität wird nun wiederum vom Barkeeper mit der freundlichen Bemerkung “No Hacky-Backy, Ditschi-Datschi In My Bar!“ kommentiert. Es wird auf ewig sein Geheimnis bleiben, welchem Slang dieser Vokal-Mischmasch entliehen worden ist. Egal, denn der Kaffee und das Drumherum sind okay. Schnell ist auch ein Domizil für die Nacht gefunden. Wie es sich für Flitterwöchler gehört, bekommen sie das Zimmer No. 1 im in die Jahre gekommenen Harbour-Inn. Die Innenausstattung des hölzernen Appartements ist eine Klasse für sich, in jeder Beziehung. Völlig abgefahren dabei die Bettwäsche mit originärem und eindrucksvollem Rosendesign, fordernd auch der Höhenunterschied des Fußbodens von nahezu 30cm von einer Ecke des Zimmers zur anderen. Abgerundet wird das ganze von einem geradezu winzigen Badezimmer mit allerdings vollständiger Funktionalität. Eine Rieseneismaschine vor der Tür sorgt zudem für ein rhythmisches und beruhigendes Dauergeräusch.

Ein wichtiger Besichtigungstermin steht für den heutigen Tag noch an, Potter´s Schoolhouse. Dies ist die einzige noch existierende Originalkulisse aus dem Film “Die Vögel“, welche die Jahre überlebt hat. Es soll ja Zeitgenossen geben, die von weit her gekommen sind, um sich dieses Gebäude anzusehen, und es nicht gefunden haben. Daher sollte man unbedingt wissen, dass sich Potter´s Schoolhouse in Bodega, dem kleineren Nachbarort von Bodega Bay befindet. Natürlich finden die Süßen ohne große Anstrengung das alte Schulgebäude, welches inzwischen zu einem Wohnhaus umfunktioniert worden ist. Aber vieles sieht immer noch so aus, wie im Film, und man ist geneigt, sich des Öfteren in der Gegend umzusehen, ob nicht irgendwo doch eine ungewöhnliche Ansammlung von Vögeln entsteht.

Das Abendessen wird, wie könnte es anders sein, im Tide´s Wharf eingenommen. Das Essen ist okay, die Bedienungen freundlich, einzig der Manager des Restaurants scheint der Gattung Arschloch entsprungen zu sein, denn er pflegt einen sehr rüden Umgang mit seinen Mitarbeitern. Dummerweise (für ihn!!!) hat er die Angewohnheit in gewissen Abständen eine Gesichtsbewegung zu vollführen, die mit Worten nicht zu beschreiben aber von Manni durchaus mit Leichtigkeit zu imitieren ist (noch dümmer für ihn!!!). Und Manni lässt sich ob des arschigen Verhaltens nicht zweimal bitten, und startet eine Imitation nach der anderen. Das führt schließlich dazu, dass die Angestellten sich vor Spaß nicht mehr einkriegen, unser Manager hingegen sich nicht mehr im Restaurant blicken lässt. Das hat er nun davon, der alte Stinkstiefel!

Dienstag, 23.05.2000

Nach einem kleinen Frühstück auf der Veranda unseres temporären Anwesens werden die Koffer eingeladen. Vor der Rückfahrt geht es nochmals ins Tide´s Wharf. Dort findet Manni einen coolen Pullover (analog zu Carmel in 1999). Überhaupt gibt es Unmengen verschiedenster Souvenirs, die irgendeinen Hinweis auf die Verbindung zu Hitchcocks Vögel und Bodega Bay bringen. Für einen Kaffee ist auch noch Zeit, bevor der Highway No. 1 wieder für die Rückfahrt nach San Francisco angefahren wird.

Natürlich zeigt sich auch heute das Wetter wieder von der schönsten Seite, so dass auch diese Fahrt wieder etwas für Genießer und Superphotographen, wie die Zaubermaus ist. Diesmal wird die Brücke in der anderen Richtung überquert, der Blick auf die Oakland Bay Bridge ist ebenso beeindruckend wie auf all das Umliegende, was zu sehen ist. Weil es bei der Hinfahrt so schön war, gibt es auch heute noch mal eine Flanierfahrt durch die Lombard-Street.

Nächste Aktion in San Francisco ist dann das Einchecken im Best Western Americana (Zimmer 325). Anette und Manni testen die Fertigkeit des Hotelkochs und kommen nach dem Verzehr von Chicken Wings und Salat zu einem positiven Ergebnis. Bedauerlicherweise verschlechtert sich das Wetter inzwischen zunehmend, es wird merklich kühler, und bei der Stippvisite am Coit-Tower beginnt es dann zu regnen. Letztes Besichtigungsziel für diesen Tag ist der Alamo-Square mit seinen Painted Sisters.

Abends ist eine Fahrt nach Sausalito angesagt. Aufgrund des inzwischen saumäßigen Wetters mit Regen, teilweise Nebel und starkem Wind gibt es weder bei der Fahrt über die Brücke noch im Hafengebiet von Sausalito viel Imposantes zusehen. Sausalito scheint ein sehr romantisches Fleckchen zu sein, bei dem Sauwetter allerdings ist nur wenig los, alles sieht daher sehr trostlos aus. Also entschließt man sich nach dem Essen wieder nach San Francisco zurückzukehren, und den Tag mit einem Besuch der Hotelbar zu beschließen.

Mittwoch, 24.05.2000

Frühstück wie gehabt, dass ist nun mal zugegebenermaßen nicht eine typisch amerikanische Stärke. Heute ist zunächst mal sportliche Betätigung angesagt, so beschließen die Süßen. Mit dem Auto ab zunächst zum Golden Gate Park. Dort werden Fahrräder gemietet, und ab dafür, jetzt erobern wir mit dem Rad den Golden Gate Park. Aber Pustekuchen!!! Entweder gibt es an anderer Stelle der Stadt noch einen Golden Gate Park, der all das beinhaltet, was im Reiseführer zu lesen ist, oder der Park ist lediglich ein Labyrinth verschiedener Strassen, das hier und da von Grünflächen unterbrochen wird. Die beiden Süßen gucken sich das ganze keine halbe Stunde an, dann werden die Fahrräder zurück gebracht.

Schon ist die Alternative ausgeguckt. Mit dem Auto wird das Cliff House angesteuert, eine der ältesten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Hier sitzt man gut mit einem Blick wie gemalt auf das rauhe Wasser des Pazifiks und den zerklüfteten Küstenstreifen. Ein bisschen ist hier die Zeit stehen geblieben, was nicht nur nachhaltig durch das Alter der Servicekräfte dokumentiert wird.

Das Wetter wird wieder besser, so dass es sich nun anbietet, Fisherman´s Wharf aufzusuchen. Dort herrscht der übliche Trubel, denn dieser Teil des Hafens ist allererste Anlaufstelle für die Touristen aus aller Welt. Hier finden sich unzählige Restaurants und Kneipen, Straßenmusiker und jede Menge Kleinkünstler, so bspw. Lebenskünstler, die Hunde mit Sonnenbrillen auf der Schnauze durch die Strassen chauffieren, und darauf warten, dass Touristen dafür Geld bezahlen, den Hund ablichten zu dürfen. Manni macht das kostenfrei, weil er ausgesprochen gut zu Fuß ist und dem ob des "illegal" geschossenen Fotos wütenden Hundehalters lauftechnisch eindeutig überlegen ist. Dann sind da die Anleger für die verschiedensten Schiffstouren und Ausgangspunkte diverser Busrundfahrten. Außerdem haben hier die Cable Cars einen ihrer ältesten Wendepunkte in der Stadt. Irgendwo in Fisherman´s Wharf bei einem Bier oder Cappuccino zu sitzen und Menschen aus aller Herren Länder zu beobachten, das hat etwas, und ist mit Geld nicht zu bezahlen.

Irgendwann ist dann Abschiednehmen angesagt, nein noch nicht von dieser phantastischen Stadt, sondern von unserer kleinen dreckigen Wüstenrennsau, sprich von unserem Auto, dass uns in den vergangenen fünf Tagen so zuverlässig zu Diensten war und über viele 100 Meilen von einer atemberaubenden Sehenswürdigkeit zur anderen transportiert hat.

Für den Abend hat die Zaubermaus vorgeplant. An der Peripherie von Chinatown befindet sich ein kleines unscheinbares Haus mit einem chinesischen Restaurant dem “House Of Nanking“. Kein Mensch würde beim Anblick des Äußeren auf die Idee kommen, dass hinter den vergammelten Mauern ein Vorzeigechinese seine Kochkünste dem interessierten und hungrigen Gast offenbart, wenn da nicht immer eine gewisse Anzahl von Gästen vor der Tür stehen würden, die darauf warten, eingelassen zu werden. Aber alles, was im Reiseführer dazu ausgeführt wird, entspricht den Tatsachen. Auch das Innere des Restaurants lockt niemanden hinter dem Ofen vor, eine Atmosphäre, wie in einer Wartehalle, aber das Essen – schnell serviert, absolut superlecker und, was ganz unglaublich ist, auch noch – bei Betrachtung kalifornischer Maßstäbe - preiswert. Unzählige Auszeichnungen an den Wänden belegen die vielerorts anerkannten und preisgekrönten Fähigkeiten der Küche. Einen Preis für diese Superidee hätte natürlich auch die Zaubermaus verdient, denn die hat ja schließlich durch ihre professionelle Vorarbeit und Recherche für dieses eindrucksvolle Erlebnis gesorgt.

Donnerstag, 25.05.2000

Bei strahlendem Sonneschein ist eine Cable-Car-Fahrt zu Fisherman´s Wharf angesagt. Bevor weitere Aktivitäten aufgenommen werden, frühstücken unsere beiden Süßen erst einmal dort genüsslich und in aller Ruhe unter freiem Himmel. Es ist noch genügend Zeit bis zur Abfahrt des Schiffes nach Alcatraz, die Tickets sind gekauft, und so kann man den Robben zusehen, die in ganzen Heerscharen auf den Felsen vor dem Pier in der Sonne liegen. Dann heißt es mal wieder Schlange stehen und darauf warten, auf das Schiff gelassen zu werden.

Die Fahrt zur alten Gefängnisinsel Alcatraz ist bei dem schönen Wetter, wie könnte es eigentlich anders sein, ein Erlebnis. Der Blick auf die Straßengeometrie mit der für San Francisco charakteristischen Achterbahnstruktur sucht auf der Welt seinesgleichen. Der Empfang auf Alcatraz erfolgt durch Parkranger, da die Insel inzwischen ein Nationalpark ist, in dem sich seltene Pflanzen befinden und darüber hinaus einige seltene Seevögel dort ihre Brutplätze angelegt haben. Deshalb ist die Bewegungsfreiheit für Besucher auch sehr eingeschränkt. Ein paar Wege um den Zellenblock, das ist alles, und natürlich der Zellenblock als Kernstück der Anlage. Am beeindruckendsten ist die Zelle des ehemaligen Sträflings Frank Morris, dem als einzigem die Flucht von der Insel gelungen sein soll. Diese Zelle sieht angeblich genau so aus, wie sie Frank Morris in der Nacht seiner Flucht hinterlassen haben soll. Ansonsten umgibt Alcatraz das Flair des Sagenumwobenen, der tatsächliche Reiz von “The Rock“ hält sich in Grenzen.

Mit dem Cable Car geht es in Richtung Hotel. Überflüssig zu erwähnen, dass Manni wie immer fasziniert ist vom Tun des Gripman, dem Quasi-Lokführer eines Cable Car. Dann machen sich die Süßen zu Fuß auf nach South Of Market. Dort ist das Centrum der Künstler und Intellektuellen von San Francisco. Mitten in South Of Market befindet sich schließlich das Museum Of Modern Art, kurz MoMa genannt. Anette ist ganz aufgeregt, weil sie sowohl das Gebäude des MoMa als auch die dort gezeigten Exponate total faszinierend und gelungen findet. Manni ist da etwas zurückhaltender, was die Ausstellungsstücke angeht, das MoMa als solches begeistert ihn allerdings auch restlos.

Inzwischen hat sich das Wetter soweit in hochsommerliche Dimensionen entwickelt, dass unsere beiden Hochzeitsreisenden ihren ersten gemeinsam ausgebrüteten Sonnenbrand bei der nächsten Kaffeepause in der Kunstakademie bemerken. Aber alles kein großes Problem, weil das, was man erlebt und entdeckt, bei weitem die kleinen Unbillen des Alltags in die Ecke stellt. Nach dem Fußmarsch zurück in das Hotel, ist erst mal einen kleine Ausruhphase von Nöten.

Dann, zum Abendessen über die Strasse in die kleine Pizzeria. Alles okay soweit und recht ordentlich vom Preis dazu. Der letzte Abend in San Francisco wird dann stilvoll in der Hotelbar beendet, wobei dem “diensthabenden“ Barkeeper aufgrund seines handwerklichen Geschicks besondere Aufmerksamkeit zuteil wird.

Freitag, 26.05.2000

Time To Say Goodbye! Und heute bezieht sich dieser Abschiedsgruss wirklich auf San Francisco. Aber ein weiterer Traum wartet auf Anette und Manni, schließlich geht es ja nach Hawaii. Also bleibt überhaupt keine Zeit für zu viel Wehmut. Ein letztes bescheidenes Frühstück im Hotel. Dann mal wieder die Koffer packen, - schon aus der Übung? – Nee, klappt noch ganz gut! Der bestellte Shuttle zum Flughafen ist arschteuer - $21 – aber dafür ausgesprochen pünktlich. An Bord des North-Western-Fluges nach Honolulu überwiegt beim Servicepersonal das männliche Geschlecht. Die Jungs machen aber ihre Sache sehr gut, und sind zudem sehr freundlich, was man als Fluggast nicht nur bei der Standardfrage “Pasta Or Chicken“ feststellen kann. Anette ist zudem der Meinung, dass ein Teil des männlichen Servicepersonals schwul sein müsste. Der Flug über den Pazifik nach Honolulu dauert rund fünf Stunden. Schon wieder heißt es zudem, Uhr verstellen, dieses Mal drei Stunden zurück, so dass wir nun sage und schreibe zwölf Stunden hinter der Zeit von zu Hause herhinken.

Um 14.45 Uhr landet der Jet auf dem Honolulu International Airport und wir betreten hawaiianischen Boden, nämlich die Insel Oahu. Sofort fallen die Blumenkranzverkäufer auf, die sich diesen Begrüßungsservice allerdings gut bezahlen lassen. Die beiden verzichten darauf, weil sich ein solcher Lai wahrscheinlich woanders preiswerter erstehen lässt. Sieht man einmal vom äußerst angenehmen Klima ab, so ist noch kein direkter Südseezauber zu verspüren. Das Organisieren eines Shuttles zum Hotel nach Honolulu hat Priorität. Eine halbe Stunde später sitzen die beiden mit ca. zehn anderen Touristen in einem Kleinbus, der von einer weiblichen Südseeschönheit pilotiert wird, die gut und gerne 125 kg Gewicht mitbringt. Nach einer knappen Stunde ist Honolulu erreicht, und es wird ein Hotel nach dem anderen angefahren und Gast für Gast abgeliefert. Die Süßen sind zum Schluss an der Reihe, und lernen so schon mal ein wenig die Hotellandschaft von Honolulu kennen. Am vorletzten Hotel – die letzten Touristen steigen aus – bemerkt Manni plötzlich, das das Gepäck, das er bislang gut im Blick hatte, verschwunden ist. Was ist denn jetzt los? Aber keine Panik, die Koffer stehen draußen vor dem Bus, wer sie da hingestellt hat, keine Idee? Wir haben es ja früh genug bemerkt. Das Hotel ist ganz nah – eine Querstrasse – am weltberühmten Strand von Waikiki. Endlich ist dann das Outrigger Waikiki erreicht. Zimmer No. 247 ist für die beiden vorbereitet.

Und ganz schnell die Koffer ausgepackt, und ab ins hawaiianische Leben. Jetzt, in dieser Umgebung ist nun doch das Flair der Südsee zu spüren. Im Wasser tummeln sich die Surfer und Schwimmer, auf den Strassen flanieren die Touristen bestens gelaunt, wobei schon beim ersten Hinschauen auffällt, wie zahlreich die Japaner vertreten sind. Imposant das Denkmal der hawaiianischen Surferlegende Duke Kahanamoku quasi als Eingang zum Waikiki-Beach. Damit wird klar, welcher Sport auf Hawaii absolute Popularität genießt. Auf der Strasse parallel zum Beach findet eine Art Umzug oder lockere Parade statt, an der Soldaten und sonstige Uniformierte mehr oder weniger ernsthaft, aber unter großer Anteilnahme der am Straßenrand stehenden Passanten teilnehmen. Das ganze wird durch eine laute musikalische Untermalung begleitet. Als fester Bestandteil des Straßenbildes lassen sich auch schon nach kurzer Zeit die bunten Busse, Trolleys genannt, ausmachen. Inmitten des großen Einkaufszentrums unter freiem Himmel befinden sich unzählige Fressbuden, Verkaufsstände, Bühnen mit Livemusik und ähnliches.

Da es langsam Zeit wird, Nahrung zu fassen, lassen sich die beiden dort an einem lauschigen Plätzchen in unmittelbarer Nachbarschaft einer Musikbühne nieder. Das Essen mundet, die Getränke sind angenehm erfrischend und nebenbei gibt es durch den Gesang und den Hula-Tanz noch etwas für Augen und Ohren. Selbstverständlich lässt sich auch in diesem Fall über die dargebotene künstlerische Leistung trefflich streiten. Aber wie sagt schon ein englisches Sprichwort: “When You Are In Rome, Do As The Romans Do!“ Der Eindruck, dass halb Japan z. Zt. Hawaii besucht, verstärkt sich mit jeder Minute des Aufenthalts, denn egal wohin sich das Auge wendet, egal welchen Weg man wählt, ob man vor einer roten Ampel steht oder auf den Lift wartet, es wimmelt nur so von Töchtern und Söhnen aus dem Land der aufgehenden Sonne, und die meisten von denen tragen schwer an ihren Einkaufstaschen und sonstigen erworbenen Artikeln. Den überwiegenden Teil ihres Daseins auf Hawaii scheinen diese freundlichen und nicht unsymphatischen Zeitgenossen damit zu verbringen, die hawaiianischen Warenlager in großem Stil und systematisch leer zu kaufen.

Die Bar des Outrigger Waikiki ähnelt mehr einer Kneipe mit recht guter Musik, da ist schon einiges los. Somit also der ideale Ort, um einen weiteren ereignisreichen Tag in angenehmer Atmosphäre, ach was(!), im Paradies ausklingen zu lassen. Das Ausklingen darf allerdings nicht zu paradiesische Züge annehmen, denn die Preise für die Getränke sind nicht ohne, und der Urlaub dauert ja Gott sein Dank noch ein paar Tage. Aber Quantität ist bekanntlicherweise ja nicht immer gleich Qualität!

Samstag, 27.05.2000

Weil es der erste Tag auf Hawaii ist, wird, wenn auch teuer, denn man gönnt sich ja sonst nichts und ist schließlich auf Hochzeitsreise, im Hotel gefrühstückt. Dass darf aber nicht einreißen!!!

Ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer Schritt für die Süßen: Sie betreten nackten Fußes den weltberühmten Strand von Waikiki, und genießen den halben Tag das Treiben und die Atmosphäre dieses herrlichen Stückchens Erde. Die Brandung des Pazifiks ist z. Zt. nicht sehr surfer-freundlich. Die Jungs sind rausgeschwommen, lümmeln dort im Wasser auf ihren Brettern und warten auf die eine oder andere kleine Welle, die sie dann zum Strand spült. Aber die große Surferaction ist nicht gegeben, weil das Wetter wie beschrieben eher den Badenden als den Windseglern in die Karten spielt. Trotzdem ein erhebendes Gefühl hier zu sein. Das Wasser ist sauber und klar, und unsere beiden sind voller Begeisterung nach der direkten Begegnung mit dem Pazifik. Lediglich der Meeresgrund ist aufgrund des vulkanischen Ursprungs an einigen Stellen sehr tückisch, so dass immer eine gewisse Vorsicht angeraten ist.

Nach diesem Erlebnis tut ein bisschen Bewegung Not, und so findet ein kleiner Strandspaziergang – natürlich getreu der Süßenregelung nicht länger als eine halbe Stunde - bei spätnachmittäglichem Sonnenschein statt. Das Szenario des Strandes und das restliche Drumherum bilden eine unvergleichliche Kulisse mit Beleuchtungseffekten der Tropensonne.

Auf Empfehlung des hotel-eigenen Info-TV-Kanals haben unsere Flitterwöchler beschlossen, sich vom angeblichen Vorzeigechinesen des Ortes essenstechnisch verwöhnen zu lassen, und so begeben sie sich zum “House Of Hong“.

Ein Fehler, wie sich sehr bald herausstellt, denn das Ambiente ist Durchschnitt, das Essen ebenfalls bei einem allerdings noch akzeptablen Preis, die Bedienung hingegen ausgesprochen unhöflich und unaufmerksam. Und die servierten Speisen entsprechen nicht unbedingt dem, was bei der Bestellung geordert wurde. Doch nicht mit den beiden Süßen. Also Strafe muss sein! So gibt es bei der Bezahlung der Rechnung statt des in Amerika üblichen Trinkgeldes lediglich einen schlappen Dollar (=$1!). Die Chefin erleidet daraufhin fast einen Kreislaufkollaps und sofort hat die Belegschaft ein abendfüllendes Gesprächsthema.

Passend dazu findet – wie das Strafgericht eines hawaiianischen Rachegottes – wenig später ein echt tropisches Gewitter mit Blitz und Donner statt. Strafe aber doch wohl nur für die Chefin des China-Restaurants und ihr unseliges Team, aber doch auf keinen Fall für das frisch-vermählte Ehepaar aus Good-Old-Germany. Das Gewitter lässt sich besonders gut vom Hotel mit Blick auf Honolulu und den pazifischen Ozean verfolgen.

Sonntag, 28.05.2000

Beim Frühstück gibt’s – bezogen auf Oahu – eine Neuerung. Die Zaubermaus hat den Island-Coffee-Shop am Vorabend auf dem Weg zum unsäglichen Chinesen entdeckt. Hier wird amerikanisches Frühstück zu vernünftigen Preisen in freundlicher Umgebung angeboten. Wieder einmal zeigt sich, die Ideen der Zaubermaus Anette sind perfekt!!!

Heute ist Veteran´s Day, einer jener für die amerikanische Seele so typischen Gedenktage. Wir schließen uns, zumindest für die erste Hälfte des Tages thematisch dem amerikanischen Patriotismus an und begeben uns mit der Buslinie 47 für 85 Cent pro Nase nach Pearl Harbour. In diesem Zusammenhang schlägt das für Amerika typische Phänomen des unreflektierten Schlangestehens voll durch. Folgendes Szenario: Die Süßen kommen als erste an die Bushaltestelle, nach und nach gesellen sich weitere potentielle Fahrgäste, meist asiatischer Abstammung in der Form dazu, dass sie sich hinter Anette und Manni in eine Schlange einreihen. Dann kommt ein Bus, es ist aber nicht die 47 für die Fahrt nach Pearl, Anette und Manni treten darauf hin zur Seite, um Platz zu machen, aber es ist auch nicht die Linie, für die die übrigen Fahrgäste anstehen, und so machen diese eine neue Schlange auf, in der Hoffnung, beim nächsten Bus einen Volltreffer zu landen, Bingo!

In Pearl Harbour angekommen, ist wiederum Schlangestehen angesagt, nämlich vor dem Visitor´s Centre, Dann geht es, geleitet von einem Pearl Harbour Überlebenden, mit einer Gruppe von rund 100 Personen in ein Kino. Dort wird nach einigen einleitenden Sätzen des Kriegsveteranen ein halbstündiger Dokumentarfilm zu dem japanischen Luftangriff vom 07.12.1941 und dem Zweiten Weltkrieg im Pazifik gezeigt, der allerdings an einigen Stellen eine sehr einseitige Sichtweise der historischen Ereignisse beinhaltet. Mit einem Beiboot der U. S. Marine geht es dann in den Hafen zum Arizona Memorial. Dieses gesamte Gebiet – Visitor´s Centre und Memorial - hat inzwischen den Status eines Nationalparks. Das begehbare Memorial ist genau über dem Wrack der Arizona errichtet. Einige Teile ragen aus dem Wasser hervor, der Rest befindet sich sichtbar unmittelbar unter der Wasseroberfläche, an einigen Stellen sickert auch nach fast 60 Jahren Öl ins Wasser. Im Memorial existiert eine riesige Tafel mit den Namen der getöteten Crewmitglieder der Arizona, die jedes Mal ergänzt wird, wenn einer der wenigen Überlebenden verstirbt.

Nach der Rückkehr aus Pearl geht es wieder ab an den Strand, schließlich herrscht das Strandwetter schlechthin. Im Hotel wird für den morgigen Tag die Fahrt zum Polynesian Cultural Center gebucht.

Nach den gestrigen Negativerfahrungen beim Abendessen, vertrauen wir heute mal wieder dem Bekannten und Bewährten, und schleppen uns wieder zum Einkaufszentrum. Auch diesmal ist alles bestens, Essen und Trinken schmeckt, und wir sind voll und ganz zufrieden.

Es folgt dann noch eine Photosession im Hotel mit einer ganzen Serie von Aufnahmen des nächtlichen Honolulu, und zum guten Schluss der verdiente Absacker in der Hotelbar.

Montag, 29.05.2000

Wieder Frühstück im gemütlichen Island-Coffee-Shop. Dann mit dem Bus auf die gut zweistündige Tour zum Polynesian Cultural Center (PCC). Der Busfahrer wird uns wohl in Erinnerung bleiben, denn sein Geschick beschränkte sich nicht nur auf das Chauffieren des Busses, sondern er redet ohne Punkt und Komma sowohl auf der Hin- als auch auf der Rückfahrt. Anfangs erscheint er nervend, dieser Shaun Vaught aus Lubbock, Texas, den es vor rund 15 Jahren nach Oahu verschlagen hat, und der seit dieser Zeit dort seine Brötchen als Busfahrer verdient. Aber unter dem Strich hat er soviel Interessantes und Wissenswertes zu erzählen, dass man beinahe Angst hat, etwas zu verpassen, wenn man mal nicht aufmerksam zuhört. Wer weiß beispielsweise, dass der Staatsfisch von Hawaii auf den simplen Namen “HumuHumuNukuNukuApuaa“ hört. Doll, was?

Im PCC präsentieren sechs Südseestaaten – Fidschi, Marquesas Islands, Neuseeland, Samoa, Tahiti, Tonga – und die Hawaii-Inseln Geschichte und Kultur ihrer Länder. Die Angestellten des PCC sind Bürger dieser sieben Länder, die in den USA studieren. Der erwirtschaftete Gewinn des PCC fließt anteilig in die genannten Südseestaaten. Jedes Land unterhält im PCC ein Dorf, in dem folkloristische und künstlerische Vorführungen dargeboten werden. Völlig abgefahren ist die Show von Samoa, was hauptsächlich an einem der Akteure liegt. Im Dorf der Marquesas Islands lassen sich die beiden Süßen ein wunderbares Tatoo verpassen.

Das Buffet am späten Nachmittag im PCC ist voll in Ordnung. Danach steigt die große Abendveranstaltung im Freilufttheater, wo sich nochmals alle Länder mit landestypischen Darbietungen in Szene setzen. Auch an dieser Stelle brilliert unser Freund aus Samoa, diesmal mit atemberaubendem artistischen Können. Die Rückfahrt liefert noch das eine oder andere Wissensschmankerl unseres Spezis Shaun, dem Busfahrer. Gegen 23:00 Uhr sind die Süßen wieder in ihrem Hotel, total kaputt, aber mit dem guten Gefühl, einen weiteren superereignisreichen Tag auf ihrer ohnehin spannenden Reise erlebt zu haben.

Dienstag, 30.05.2000

Was machen die Süßen morgens auf Oahu? Natürlich frühstücken im Island-Coffee-Shop! An diesem Morgen sind die beiden dort Zeugen eines außergewöhnlichen Ereignisses. Ein Amerikaner bestellt zweimal hintereinander das große Frühstücksarrangement mit Sunny-Side-Ups, Pancakes, Sandwiches, halt das volle Programm. Als I-Tüpfelchen setzt er den beschriebenen Tellerinhalt jeweils mit ungefähr einer halben Flasche Ahornsirup unter Flüssigkeit und verspeist das Gemenge mit deutlichem Genuss. Na denn, guten Appetit!!!

Heute geht es als erstes mit dem Bus nach Downtown Honolulu. Dort erklettern wir den Aloha-Tower, von dem aus man einen tollen und weiten Blick über Honolulu und darüber hinaus hat. Manni ist total davon begeistert, dass man direkt auf die Startbahn von Honolulu International blicken und somit Starts aus nächster Nähe beobachten kann. Auf dem Aloha-Market-Center, direkt am Meer wird ein erfrischendes Päuschen gemacht, dann per pedes weiter durch die Stadt zum Palast der ehemaligen hawaiianischen Könige. Weiter – immer noch zu Fuß – soll das Hard-Rock-Cafe angesteuert werden, bei dieser Hitze!!!

Irgendwann kapitulieren die beiden und suchen sich einen Bus, der sie bis vor die Tür des Hard-Rock-Cafe bringt. Jetzt steht einmal mehr relaxen auf dem Plan. Das ist echt cool, bei guter Musik, bei einem kleinen Snack und bei erfrischendem kalten Bier. Als Souvenir ersteht Manni ein Hard-Rock-Cafe-T-Shirt.

Für das Abendessen haben sich Anette und Manni heute das Planet Hollywood ausgesucht, eine typisch amerikanische Geschichte, aber echt interessant. Allein die Filmrequisiten und Photos an den Wänden, unter den Decken, überall, faszinieren.

Mittwoch, 31.05.2000

Ein letztes Mal wird im Island-Coffee-Shop gefrühstückt. Dieser Laden ist einem ja schon richtig ans Herz gewachsen. Wie geht das nur zukünftig ohne?

Die zweite Etappe Hawaii wird mit dem Flug von Oahu nach Kauai eingeläutet. Sensationell, auch bei diesem Flug, der gerade mal eine halbe Stunde dauert, gibt es einen Bordservice. Dabei handelt es sich um eine Art Trinkjoghurt. Und die Kabinencrew hat im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun, in der relativ kurzen Zeit zu servieren und rechtzeitig wieder abzuräumen. Um halb eins mittags landen die Süßen in Lihue, der Hauptstadt von Kauai, und müssen schon am Flughafen feststellen, dass, obwohl eigentlich nicht vorgesehen, ein Mietwagen für die Dauer des Aufenthalts wohl unerlässlich sein wird, denn sonst ist man aufgeschmissen. Kauai ist eben viel kleiner und wesentlich dünner besiedelt als Oahu und hat daher kaum öffentliche Verkehrsmittel. Ein Auto ist schnell besorgt. Quer über die ganze Insel – ungefähr 50 km – zum anderen Ende geht die Fahrt zur Hotelanlage, Princeville heißt der Ort.

Dort angekommen, wird man von einer parkähnlichen Landschaft mit einer Vielzahl von Golfplätzen empfangen. Anette und Manni können erst nicht glauben, dass sie am Ziel angekommen sind, doch dieser Garten Eden ist in Tat für die nächsten fünf Tage deren Zuhause. Die Rezeptionsangestellte des Pali Ke Kua scheint zu erahnen, dass Honeymooner vor ihr stehen, und weist direkt ein Haus mit Lage zum Ozean zu, also etwas besseres als wir eigentlich gebucht hatten. Unser Appartement würde auch locker für eine Großfamilie ausreichen, denn Schlaf- und Badezimmer sind doppelt vorhanden. Die übrigen Räume nur einfach aber dafür sehr groß ausgelegt, und nach hinten, Richtung Steilküste eine große Terrasse. Mehr kann man einfach nicht erwarten!

Nach dem sich die beiden häuslich eingerichtet haben, geht es daran, die nähere Umgebung zu erkunden. Der erste Halt wird in Hanalai Bay vorgenommen, einem kleinem Örtchen, welches sich mit einer überschaubaren Anzahl von Häusern über ein paar hundert Meter entlang der Hauptstrasse entwickelt hat. Alles ist sehr klein und gediegen, zum wohlfühlen. Fährt man dies Hauptstrasse weiter bis zum Ende, so gelangt man zu einer malerischen Bucht, von der man in Richtung Nordwesten blickt, also wie geschaffen für die mentale Inhalation von Sonnenuntergängen.

Da sich bei unseren Hochzeitsreisenden so langsam ein knurrender Magen zu Wort meldet, geht es zurück ins Appartement mit einem Umweg durch den örtlichen Supermarkt, der nicht nur durch sein Riesenwarenangebot sondern auch durch die gepfefferten Preise auffällt. Da die “heimische“ Küche komplett ausgerüstet ist, steht abends Pizza auf dem Speiseplan.

Die Obersüße ist hin und weg, als sie so gegen 19:00 Uhr die untergehende Sonne von unserer Steilküste aus beobachtet. Und sie schießt eine ganze Serie absoluter Spitzen-Photos.

Auffällig schon in den ersten Stunden der Anwesenheit in unserem Ressort ist die Vielzahl der recht zutraulichen und exotisch aussehenden Singvögel. Innerhalb von ca. 30 Minuten schaltet hier auf Hawaii die Sonne von hell auf dunkel, aber die angenehme Temperatur des Tages von rund 26 Grad, fällt kaum unter 20 Grad. Auch der Sternenhimmel ist vom allerfeinsten und von einer bisher nie erlebten Intensität. Hier lässt es sich wahrlich zu jeder Tages- und Nachtzeit aushalten.

Donnerstag, 01.06.2000

Der heutige Tag steht ganz im Zeichen eines inselweiten Sightseeings mit dem Auto. Nach dem selbst zubereiteten exquisiten Frühstück in der luxuriösen Ferienvilla ist der Waimea Canyon erste Anlaufstation. Dieses Prunkstück der Natur trägt auch den Beinamen “Grand Canyon des Pazifik“, weil es der größte im pazifischen Raum ist. Dominiert werden der Canyon und das Gebiet drum herum von einer intensiven Rotfärbung des Gesteins und der Erde. Diese Rotfärbung ist auf weiten Teilen der Insel Kauai anzutreffen. Die Souvenirindustrie Hawaiis hat sich dieses Umstandes erinnert, und so werden in großem Stil mit dem Originalfarbstoff der Erde rotgefärbte T-Shirts zu stolzen Preisen und in großer Stückzahl verscherbelt. Der Canyon – obwohl nicht so groß wie seine Verwandten auf dem Festland - sieht beeindruckend aus, und zeigt ausgesprochen interessante Formationen.

Als nächstes Highlight fahren wir das “Spouting Horn“ an. Dieses Spektakel befindet sich an der Küste und ist eine kraterförmige Öffnung, aus der bedingt durch die unterirdische Verbindung mit dem Meer immer dann mehr oder weniger große Mengen Wasser nach oben geschleudert (=“gespuckt“) werden, wenn eine Welle auf die Küstenlinie zugerollt ist. Die Herausforderung für Photographen, die ohne Motor auskommen müssen, so wie Anette, denn die Meisterschaft liegt zum einen darin, dass Bild jeweils dann zu schießen, wenn das “ausgespuckte“ Wasser den höchsten Punkt erreicht hat, und zum anderen eine Situation zu erwischen , bei der gerade sehr viel Wasser ausgestoßen wird. Da geht schon mal sehr schnell ein Film drauf, so wie bei der Zaubermaus, die aber letztendlich auch an dieser Stelle der Reise ihre Professionalität nachweist.

Zeit für eine kleine Rast und ein kleines Häppchen in einer schnuckeligen Bar, und Gelegenheit, mal wieder ein paar Postkarten zu schreiben.

Zum Abschluss der Bildungstour, praktisch fast vor unserer Haustür, das Kilauea Lighthouse. Das ist ein ehemaliger Leuchtturm, in dem sich nun eine Station des WWF befindet, weil einerseits an der Steilküste der anderen Buchtseite äußerst seltene und vom Aussterben bedrohte Seevögel ihre Brutstätten haben, und andererseits sich in den Monaten Februar bis Mai vor der Küste Pottwale sammeln. Bedauerlicherweise sind zu unserer Zeit keine Wale mehr zu sehen.

Zuhause der tägliche Genuss des Sonnenunterganges, und ein schöner Abend auf der Terrasse.

Freitag, 02.06.2000

Gemeinsam mit unseren Haustieren - nämlich den schon mal kurz erwähnten Vögeln – Frühstück auf der Terrasse. Auch diesen possierlichen und putzigen Tierchen (Originalzitat Prof. Grzimek) mundet die Art, wie Europäer essenstechnisch in den Tag starten. Dieser selbige steht unter der Überschrift Wasserfälle.

Einer der interessantesten weil spektakulärsten unter den hawaiianischen ist der Wailua-Wasserfall, und den steuern Anette und Manni als erstes Tagesziel an. Das einzigartige dieses Wasserfalls ist die Tatsache, dass sich das Wasser mit zwei Strömen in die Tiefe stürzt. Das ganze sieht wirklich imposant aus.

Wasserfall Nummer zwei ist dann der Opekaa. Dieser sieht nicht so spektakulär wie der Wailua aus, soll aber nach Aussagen der Literatur der älteste der Insel sein. Bedauerlicherweise sieht er etwa schwächlich aus, weil nur eine Art Rinnsal den Felsen heruntertropft. Das liegt an dem mangelnden Wassernachschub aus den Bergen.

Die ganzen Wasserfälle machen Durst, und aufgrund der fortgeschrittenen Stunde ist eine ausgiebige Pause nicht von der Hand zu weisen. Da bietet sich das Coconut-Centre, an der Inselhauptstrasse gelegen, förmlich an. Dort findet man Kneipen, Boutiquen, Restaurants, eben alles, was man so braucht, an einer zentralen Stelle der Insel. Den Namen hat dieses Centre von den unzähligen Kokosnussbäumen, die dort wachsen. Auch dort lässt es sich trefflich aushalten. Man kann zum Beispiel auch Helikopterrundflüge buchen, und das tun die beiden Süßen, und freuen sich darüber, dass es am nächsten Tag schon losgeht. Während des Essens gesellt sich urplötzlich auch ein nicht gerader kleiner Leguan dazu, er hat aber wohl andere kulinarische Vorlieben, und verdrückt sich daher bald wieder in die Natur. Ausgeruht und hinreichend mit Speis´ und Trank versorgt geht es nachmittags dann zurück in die “eigenen vier Wände“. Ein bisschen Faulenzen muss im Urlaub schließlich auch sein.

Der farbenprächtige Sonnenuntergang wird an diesem Abend an der schon eingangs erwähnten Bucht am Ende der Hauptstrasse genossen. Dort finden sich allabendlich viele Besucher ein, um dieses Naturschauspiel zu erleben. In Hanalai Bay wird bei kaltem Bier und guter Life-Musik ein weiterer ereignisreicher und schöner Inseltag beschlossen. Anette organisiert zudem Karten für den morgigen Abend, an dem im Princeville-Hotel ein Tanzabend mit Band stattfindet.

Samstag, 03.06.2000

Heute heißt es mal wieder zeitig aus den Federn zu klettern, der Helikopter wartet schließlich nicht, und wir müssen ja bis nach Lihue, also zum anderen Ende der Insel. Zunächst haben Anette und Manni in Lihue arge Probleme, das Büro des Veranstalters zu finden, aber sie schaffen es dann doch. Dort gibt es ein Briefing und danach erfolgt der Shuttle zum Flughafen.

Außer den beiden sind noch zwei weitere Touris an Bord. Pünktlich um 07:30 Uhr geht es in die Lüfte. Der Pilot erweist sich im Laufe des Fluges als Stoffel, aber sei es, wie es sei, der Flug und das, was es von oben zu sehen gibt, ist die absolute Show. Viel imposanter und um ein vielfaches beeindruckender als vom Erdboden aus. Das absolute Highlight ist der Überflug der Na Pali Küste, dem wahrscheinlich aufregendsten Landschaftsteil der Insel Kauai. Aber auch der Waimea-Canyon ist nicht von Pappe, und erst in der Luft wird so richtig deutlich, wie groß der “kleine“ in Wirklichkeit ist. Wie so oft im Leben geht auch dieser Flug, der 70 Minuten dauert, viel zu schnell zu Ende. Man hätte es noch eine ganze Zeit über diesem wunderschönen Eiland aushalten können. Um der Erinnerung auch in Zukunft auf die Sprünge zu helfen, nehmen Anette und Manni ein Video mit.

Nach diesem Frühstück für die Sinne mit vollem Sättigungsgrad folgt zurück in Pali Ke Kua das Frühstück für den Körper. Denn wer viel sieht, muss auch viel Essen, oder, wie heißt das Sprichwort?

Um den Erholungsgehalt bloß nicht zu kurz kommen zu lassen, beschließen die Süßen, den Rest des Tages am Strand liegend zu verbringen. Zwischen Hanalai Bay und der “Sonnenuntergangsbucht“ befindet sich ein außergewöhnliches ruhiges Stückchen Strand, welches zum relaxen pur ausgeguckt wird. Vom Sonnen wird man so faul und träge, dass man aufpassen muss, um nicht die Rückkehr zu verpennen, schließlich soll ja heute noch getanzt werden.

Mit einer richtigen Portion Vorfreude geht es dann abends ins Princeville, doch oh Schock, was ist denn das für ein Gehopse. Die Amerikaner tanzen da irgendeinen Hilly-Billy-Tanz quer durch den Ballsaal des Hotels, es gibt nichts Anständiges zu trinken. Fluchtartig verlassen Anette und Manni den Ort des Geschehens und suchen in Hanalai Bay die Kneipe vom Vorabend auf. Sie werden nie erfahren, welcher Gewinn ihnen bei der Tombola möglicherweise entgangen ist.

Sonntag, 04.06.2000

Unglaublich aber wahr! Es regnet! Kaum vorstellbar, dass es hier Regen gibt, wo doch alles nach ewigem Sonnenschein aussieht. Da muss man durch, zumal es nicht nach Dauerregen aussieht. Also geht es nochmals zum Kilauea Lighthouse. Bei diesem Wetter trifft man hier eine ganze Menge Leute, die wahrscheinlich die gleiche Idee wie wir haben.

Die erhoffte Wetterbesserung tritt dann rasend schnell ein, und innerhalb weniger Minuten ist das Wetter so wie in den vergangenen Tagen, sonnig mit leichter Bewölkung und ein bisschen Wind. Man kann sich kaum noch vorstellen, dass es vor kurzem noch ordentlich gepiselt hat.

Plakate haben für den heutigen Sonntag auf eine Veranstaltung mit Musik in Fern Grotto - einer Grotte mit Süßwassersee im Innern der Insel - aufmerksam gemacht. Dahin fahren wir dann mal einfach. Auf dem Weg dorthin wird es immer voller auf den Strassen, halb Kauai scheint dahin zu wollen. Anette und Manni finden auch einen Parklatz, sitzen auch schon im Shuttle-Bus, um dann jedoch zu erfahren, dass für diese Veranstaltung Tickets erforderlich sind. Also Pech gehabt und wieder zurück nach Pali Ke Kua.

Um sich zum Abschluss des Hawaii-Aufenthaltes noch mal was Tolles zu gönnen, begeben sich die Süßen in das nahe gelegene Hanalai Bay Ressort, der absoluten Nobelherberge in Princeville, zum Jazz-Nachmittag.

Hier ist nun alles sehr exquisit und luxuriös, halt so eine Art Schlaraffenland. Man muss nur ein bisschen mehr Kleingeld für die verschiedensten Freuden des Lebens einkalkulieren. Aber für so einen Nachmittag geht das schon mal.

Die beiden Süßen fühlen sich in der Umgebung sauwohl, die Band und deren Musik ist okay, die Drinks könnten nirgendwo besser schmecken, der kleine Imbiss mundet, die kleptomanen Vögel, die sich an den bereitstehenden Knabbereien laben, sind unterhaltsam.

Irgendwann taucht dann auch noch eine Hochzeitsgesellschaft, die diesen noblen Ort zu Feier auserkoren hat.

Für den letzten Hawaii-Abend hätte sich keine schönere Umgebung finden lassen!

Montag, 05.06.2000

Die nächsten Stunden, genauer gesagt der nächste Tag wird sehr stressig werden. Denn es stehen eine Flugstrecke von insgesamt mehr als 8.000 km und ein Zeitsprung von sechs Stunden an. Bye, Bye Hawaii! Es war superschön, Dein Gast zu sein. Schade nur, dass man nicht mal eben hierhin fliegen kann, sondern ein Aufenthalt dort die Ausnahme bleiben wird, leider!

Auf dem Flughafen von Kauai in Lihue steht neben einer Zollkontrolle auch die amtliche Frage, ob man hawaiianische Agrarprodukte ausführt im Mittelpunkt. Jedes Gepäckstück erhält einen dicken Aufkleber des US-Landwirtschaftministeriums, welcher die entsprechende Unbedenklichkeit des selbigen bescheinigt. Auf zur Flugzeugrallye! Das erste Teilstück nach Honolulu reicht nicht mal zum Warmwerden. Wiederum ein fast auf die Sekunde getimter Bordservice.

Anschließend ist noch genügend Zeit – genauer fast drei Stunden – um sich das Treiben auf dem Airport von Honolulu anzuschauen. Das Gepäck ist kein Thema, das sollte erst bei der Landung in Newark, wenn alles klappt, wieder in unsere Hände fallen. Wir beobachten die vielen Starts und Landungen, außerdem kann Manni am Aussichtspunkt rauchen, was auch beruhigt, denn bald ist es damit erst einmal für viele Stunden vorbei. Anette registriert die Landung eines Großraumjets von North-Western, und das starke Qualmen eines seiner vier Triebwerke. Wie beiläufig bemerkt sie, dass wir uns mal vorstellen sollten, dass dies unsere Maschine für den Flug zum Kontinent wäre.

Erst einige Zeit später steht definitiv fest, dass besagtes Fluggerät unsere Maschine ist. Aber keine Zeit für defaitistische Gedanken, denn man sitzt gut an seinem Platz mit optimalem Blick nach draußen. Auch das rhythmische Geräusch von irgendwo aus der Maschine kommend, das sogar das Heulen der Triebwerke übertönt, kann nicht beunruhigen, denn der Pilot bewegt den Jet ja bereits zur Startbahn, und der muss es ja schließlich am besten wissen. Weiß er auch, denn nach kurzem Stillstand und irgendwelchen Prozeduren, rollt er mit dem Hinweis – er könne keinen Triebwerkswarmstart ausführen – zurück zum Terminal, und bittet um Geduld. Alles nicht so schlimm, man steckt ja nicht drin, und übt sich somit in der selbigen. Nach einiger Zeit wird eine Gangway ans Cockpit gefahren und eine Technikercrew nimmt sich der Sache an.

Schon bald meldet der Pilot Vollzug, und teilt den anwesenden flugwilligen Hawaii-Urlaubern mit, dass die Probleme behoben seien, und wir nun kurzfristig wieder zur Startbahn rollen würden. Die Techniker verlassen die Maschine, der Pilot startet die Triebwerke, und – da ist es wieder dieses unvergleichlich rhythmische Geräusch, welches auch diesmal eindeutig den Pegel der Triebwerke übertrumpft. Gott sei Dank sind die schon einmal bemühten Techniker noch nicht allzu weit gekommen, und daher recht schnell wieder in der Maschine.

Dann warten wir mal auf den nächsten Anlauf. Der anfänglich in der Maschine zu vernehmende Lärmpegel ist nach und nach einer eindringlichen Ruhe gewichen, und einige der Mitreisenden sehen schon recht unlocker aus. Aber, dieser Versuch ist erfolgreich, alles ist okay, der Pilot begibt sich zur Startbahn, und der Abflug funktioniert reibungslos, wie im Übrigen der gesamte Rest dieses Fluges. Zudem gibt der Herr der Lüfte die Zusage, dass in jedem Fall der Anschlussflug in Los Angeles erreicht werden würde. Ein etwas mulmiges Gefühl hält sich jedoch noch für einen gewissen Zeitraum, immer auch das Bild des qualmenden Triebwerkes aus Honolulu vor Augen.

Wie versprochen hat die Anschlussmaschine in Los Angeles auf uns gewartet, und im Schweinsgalopp geht es von einem Terminal zum nächsten.

Schon jetzt sind wir reichlich kaputt, dabei haben wir noch nicht mal die Hälfte geschafft. Das Schlafen im Jet klappt aber jetzt schon ganz gut, zumal das Fernsehprogramm auch nicht vom Hocker reißt.

Dienstag, 06.06.2000

Die Flugzeit nach Detroit vergeht aber nicht, wie man fälschlicherweise meinen könnte, wie im Flug. Alles zieht sich wie ein Kaugummi, rauchen ist nicht, und obwohl die beiden sehr gern fliegen, muss es nicht unbedingt jetzt sein, und schon überhaupt nicht so lange.

Aber auch Detroit wird erreicht, es ist früher Vormittag, die Sonne scheint, und schon bald wird man ja in New York sein. Auch diesmal rollt der Jet recht pünktlich zur Startbahn, um dann die Richtung zu wechseln und zu parken. Unwetter über New York, Start- und Landeverbot in Newark, so die lapidare Erklärung des Piloten, verbunden mit der Hoffnung, dass die Verzögerung nicht außergewöhnlich lange dauert. Überflüssig der Hinweis, dass alle Anschlussflüge in Newark warten, wer will denn dann noch weiter fliegen, wir jedenfalls nicht. Die Hoffnung war nicht umsonst, denn schon nach einer halben Stunde geht es auf die letzte Etappe.

Über New York eine absolute Wolken- und Regensuppe, man sieht nichts von der Stadt, schade! Es ist 14.00 Uhr Ortszeit. Das erste Highlight des Tages ist zu vermelden: Unser Gepäck ist angekommen, Glückwunsch. Jetzt heißt es, Shuttle organisieren, leichter gesagt, denn getan, aber schließlich gelingt auch das. Wahrscheinlich hat der Fahrer des Busses Einsatzpremiere, denn er braucht fast die doppelte Zeit als nötig, und scheint auch heute das erste Mal in New York zu sein. Hat er vielleicht mit uns in der Maschine gesessen?

Es gießt draußen wie aus Eimern, aber dann ist man doch endlich im Hotel, dem Broadway Millennium, die Vorfreude auf ein schönes Zimmer ist riesengroß, aber Pustekuchen, wir müssen nochmals das Quartier wechseln, weil aufgrund einer lebenswichtigen Veranstaltung alle Zimmer belegt und einige Vorbestellungen abhanden gekommen sind.

Also mit dem Taxi in das nahegelegene Crowne Plaza. Kein Problem oder doch, denn nach Auskunft des Taxifahrers gibt es jede Menge Crowne Plazas. Er findet dann doch das richtige. Unser Hals reicht inzwischen bis nach Brooklyn, es regnet noch immer unvermindert. Im Hotel werden wir angeblich bereits erwartet. Eingecheckt und ab in die Kemenate, Koffer ausgepackt, ja und dann ist der Frust über die Unbillen der letzten Stunden und das Wetter so groß, dass man sich erst mal aufs Ohr haut.
Die Müdigkeit tut ein Übriges, und bis zum Beginn des Musicals will man nichts mehr hören oder sehen, sondern nur noch Ruhe haben. Und so geschieht es, dass die beiden Jungverheirateten die ersten Stunden ihres New York Aufenthaltes voll verpennen.

Dann klingelt irgendwann der Wecker, aufstehen und fertigmachen für das Musical “Cabaret“ im Studio 54. Draußen regnet es unverändert stark, der bereits zitierte Hals hat inzwischen eine Ausdehnung bis Boston, Tendenz steigend. Da man trotz Regens aber auch eine Kleinigkeit essen muss, geht es vor der Theaterkunst zunächst zu McDonalds direkt auf dem Broadway. Schon jetzt ist Manni nass wie eine Katze und hat eine Stinklaune.

Im Theater angekommen sieht er aus, als hätte er gerade geduscht und vergessen, sich abzutrocknen. Ein falsches Wort eines Außenstehenden, und es kommt zur Katastrophe. Aber alles geht gut. Anette betuttelt ihren Ehemanni und baut ihn wieder auf. Zudem verfliegt schon beim Betreten des Theaters ein Grossteil der schlechten Laune.

Die Aufführung und das gesamte Ambiente sind schließlich so obercool, dass nach einer Stunde spätestens mit Manni alles wieder in Ordnung ist. Und beim Verlassen des Theaters ist es draußen trocken. Es geht steil aufwärts, mit der Stimmung, dem Wetter, mit allem, na also, geht doch!

In der Hotelbar wird dann verbliebene Rest der schlechten Stimmung weggespült, und ein äußerst ereignisreicher Tag mit einer angemessenen Menge amerikanischen Biers abgeschlossen.

Mittwoch, 07.06.2000

Nicht zu glauben, diese blitzschnelle Wetteränderung! Die Sonne scheint vom Himmel und am selbigen ist keine Wolke zu sehen. Auf dem Weg zum Bus-Terminal versorgen sich Anette und Manni frühstückstechnisch. Kaum zu glauben, wie relativ leer die Strassen noch sind.

Gegen 08:30 Uhr fällt der Startschuss zur Stadtrundfahrt. Der deutschstämmige Busfahrer – in Personalunion auch Fremdenführer – kokettiert mit der Tatsache, dass er New York besser kennt als seine Kunden, und damit hat er von Anfang an verloren. Oberlehrer haben eben immer schlechte Karten! Die Stadtrundfahrt zählt im Nachhinein nicht zu den Knallern. Zwar klappert man in relativ kurzer Zeit einen Riesenteil von Manhattan ab, zwischendurch entsteht aber auch viel Lehrlauf durch das Anfahren eigentlich recht uninteressanter Punkte der Stadt, und dazu immer das Gelabter des Fahrers. Hinzu kommt, dass in einer Stadt mit ausschließlich Hochhäusern beim Busfahren eine stark eingeschränkte Sicht besteht, so dass man vieles überhaupt nicht sieht.

Nach der Rundfahrt steht der Umzug ins Broadway Millennium an. Das Taxi – nur wegen des Riesengepäcks genommen – benötigt für die knapp 500m Strecke eine halbe Stunde. Im neuen Domizil, Zimmer No. 4616, mit einem Superausblick aus dem 46. Stockwerk. Aber geguckt wird später. Manhattan wird jetzt erst einmal in Teilen zu Fuß erobert. Die Besichtigung von oben, sprich vom Empire State Building, wird gestrichen, weil zu dieser Zeit etwa 5.000 Besucher vor der Kasse und etwa die gleiche Menge vor den Fahrstühlen wartet. Das nächste Auge wird auf und in den Trump-Tower geworfen, auch nicht schlecht. Danach gibt es ein Cappuccino-Päuschen im Rockefeller-Centre. Hier tobt bereits der Bär. Natürlich darf auch Tiffany´s nicht fehlen, Audrey Hepburn ist allerdings gerade nicht da. Das Abendessen nehmen Anette und Manni unter freiem Himmel in einem Restaurant in der Nähe vom Broadway ein.

Ein weiterer Höhepunkt steht noch aus. Nach dem Essen geht es in die drehbare Bar im 37. Stock des Marriot-Hotel am Times Square. Während der drei Umdrehungen und mindestens ebenso vieler Drinks verwandelt sich das Tages-New York in ein faszinierendes, an allen Punkten steil in die Höhe ragendes Lichtermeer.

Der Blick aus dem eigenen Hotelzimmer ist ähnlich aufregend, aber halt statisch. Den Tag beschließen wir diesmal mit Poppen vorm Meer!!!

Donnerstag, 08.06.2000

Das Wetter ist wie am Vortag unvermindert gut. Die verbleibenden Stunden in NYC wollen gut geplant sein. Vom Hotel aus zu organisierende Schiffstouren sind ausgebucht. Also machen wir uns auf den Weg zum Anleger der Circle Line im Westen Manhattans. Unterwegs gibt es ein Frühstück in einer nicht gerade einladenden Lokalität an der Ecke 42West und 10.-11.Ave. Aber dieses Frühstück im River West Cafe ist unglaublich – bezogen auf amerikanische Verhältnisse – umfangreich, preiswert ($3.50) und gut. Also, der Geheimtipp für alle zukünftigen Generationen von New York-Touris, die dort frühstücken wollen.

Am Pier der Circle-Line geht dann für Anette und Manni in Bezug auf eine Schiffstour doch noch etwas: Eine zweistündige Tour um die Südspitze Manhattans über den East River bis zum UNO-Gebäude und wieder zurück. Die Schiffstour ist um Klassen besser als die Stadtrundfahrt mit dem Bus am Vortag. Die Kommentare des Kapitäns sind verständlich und informativ. Von diesem Blickwinkel auf dem Wasser betrachtet, bekommt man ein sehr gutes Gespür für die Größe und Ausdehnung Manhattans. Anette wird ihrem Ruf als Meisterphotograph wiederum mehr als gerecht, denn ihre New York-Schüsse sind einsame Spitzenklasse.

Mit reichlich Wehmut verlassen wir gegen 15:00 Uhr im Flughafen-Shuttle “The Big Apple“. Zwei Tage sind einfach zu kurz, so dass man logischerweise noch mal wiederkommen muss. Der Transport nach Newark funktioniert im Gegensatz zur Ankunft ausgezeichnet, weil ein richtiger Busfahrer am Steuer sitzt und kein Kameltreiber.

Das Abflugszenario in Newark ist nochmals ein Paradebeispiel für amerikanische Luftverkehrsdimensionen. Durch den Ausfall einer Start- und Landebahn kommt es innerhalb kürzester Zeit zu einem gigantischen Stau, dessen ganzes Ausmaß erst aus der Luft beim Blick nach unten erkennbar wird: Dutzende von Maschinen bewegen sich sternförmig auf das Nadelöhr Startbahn zu und steigen fast im Halbminutentakt in die Luft.

Der Blick auf Manhattan beim Start ist atemberaubend, bedauerlicherweise haben die Süßen keine Munition, sprich Filme mehr, so dass dieser Augenblick nicht im Bild festgehalten werden kann.

Freitag, 09.06.2000

Irgendwann muss es Freitag geworden sein, auch hier im Flieger. Es ist nicht mehr allzu weit nach Amsterdam, die Crew bereitet das opulente Frühstück vor.

Einer der Gedingeschlepper, sprich Stewards, hat eine Wahnsinnsähnlichkeit mit HaPe Kerkeling, entpuppt sich aber im weiteren Verlauf seiner Servicetätigkeiten als arroganter und unhöflicher fliegender Zeitgenosse.

Gegen 08:00 Uhr ist Amsterdam erreicht. Kaffeepause in der dortigen Cafeteria und Smalltalk mit einer netten älteren Dame, die ihre Kinder in den Staaten besucht hat, dann die letzte Flugstrecke nach Dortmund.

Alles Alltagsroutine für solche Vielflieger und Meilenkiller, wie wir es sind. Obwohl dieser Urlaub wahrscheinlich im ganzen Leben nicht mehr zu toppen sein wird, kennen die beiden jetzt nur noch ein Ziel, und das heißt schnell, ganz schnell nach Hause.